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Neuen Blickwinkel gewonnen

Projektphase Otto-Schott-Straße abgeschlossen

Wie schnell doch die Zeit vergeht! Im Februar 2022 zogen zwölf Frauen und Männer in ihre Appartements in der Wohnanlage „Timber Town“ in der Otto-Schott-Straße und das Abenteuer begann.

Im Rahmen eines auf zwei Jahre angelegtes Pilotprojektes des Bezirks Niederbayern wurden neue Wege gegangen. Ziel war es, dass die Frauen und Männer vorgeben, was sie von den Mitarbeitenden brauchen. Das achtköpfige Mitarbeiterteam stimmt seitdem den individuellen Bedarf mit den Betreuten direkt ab, gemeinsam wird eine zeitliche Planung erstellt. Zunächst stand allen eine genau definierte Betreuungszeit pro Tag zur Verfügung, die individuell genutzt werden konnte. Heute haben alle Beteiligten mehr Gefühl dafür, dass alle „ihre“ Zeit auch bekommen. Die Zeit kann beispielsweise für die Assistenz bei hauswirtschaftlichen Aufgaben, die Begleitung bei Einkäufen oder auch bei Freizeitangeboten, genutzt werden. Teilhabeplanung wird praktisch und konkret gelebt. Ein echter Paradigmenwechsel, wie es ja auch das Bundesteilhabegesetz (BTHG) vorgibt.

Gute zwei Jahre später darf ich zu einem erneuten Interview in die Otto-Schott-Straße kommen. Ricarda Oswald und Emilie Hagenberger, beide Mitarbeiterin im Team und Florian Plank, Leiter Wohnen, stehen mir Rede und Antwort.

Alle haben das Projekt ernst genommen

„Für die Menschen mit Behinderung ist es ein wirklicher Erfolg“, da ist sich Ricarda Oswald ganz sicher. „Die Ziele wurden gemeinsam erarbeitet und voll und ganz eingehalten. Alle haben das ernst genommen und sich an die vorgegebenen Strukturen gehalten. Die Frauen und Männer sind ganz unterschiedlich mit den neuen Rahmenbedingungen umgegangen. Manche haben genau auf die vereinbarte Zeit geachtet, einige haben sogar Gespräche abgebrochen, wenn die Zeit abgelaufen war“, berichtet sie. „Heute haben alle mehr Sicherheit. Sie wissen, dass sie die Zeit bekommen, die ihnen versprochen wurde“, ergänzt Emilie Hagenberger. Dokumentiert werden muss dies heute nicht mehr so genau wie am Anfang. Manche Mitarbeitende waren durch die minutengenaue Dokumentation gestresst, andere fanden die Strukturen gut. Trotz der Belastung war die genaue Dokumentation auch motivierend. Das neue System gab vor, dass die Ressourcen beachtet werden müssen und alle Beteiligten verbindlich sein müssen. Durch den neuen Blickwinkel wurde deutlich, dass die indirekten Stunden weniger werden müssen. „Heute machen wir gar nichts mehr alleine. Egal, ob wir Hausverbrauchsmittel holen, Tanken oder Einkaufen fahren, es sind immer Betreute dabei“, berichten die beiden Frauen. Jeden Tag wird frisch eingekauft und natürlich gekocht, das ist ein ganz anderer Standard. Auch bei anderen Dingen, wie einen Tisch reservieren, Tagesordnungspunkte oder Protokoll bei Bewohnerbesprechungen schreiben, alles wird von den Menschen mit Behinderung übernommen, die Mitarbeitenden assistieren nur dort, wo es nötig ist.

„Es ist wirklich cool, so zu arbeiten“, sagt Emilie Hagenberger und bringt es auf den Punkt.

Große Bereitschaft des Teams

Geklappt hat alles nur durch die große Bereitschaft des Teams, da sind sich die drei Gesprächspartner:innen einig. Für die Zukunft ist es allen wichtig, dass sie regelmäßig reflektieren. Wo liegt unser Fokus? Wie sieht es mit unserer Haltung aus? Diese und andere Fragen werden immer wieder erörtert.

Florian Plank ist es wichtig, dass diese positiven Erfahrungen auch an andere Teams und Mitarbeitende weitergegeben werden. Ihm sieht man die Freude über das gelungene Projekt genauso an, wie den beiden Frauen.

Ich gehe völlig begeistert aus diesem Interview und freue mich, dass es tolle Menschen gibt, die mit Freude an Herausforderungen gehen und viel Positives entdecken. Danke für dieses schöne Gespräch!