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Ist Spiritual Care etwas Exotisches oder Essenzielles?

Interdisziplinärer Fachtag beleuchtet, wie Spiritual Care dabei unterstützt, besser mit existentiellen Nöten anvertrauter Menschen umgehen zu können

Ist Spiritual Care etwas Exotisches oder Essenzielles? lautete die große Frage des von der Akademie der Barmherzigen Brüder organisierten Fachtags. Hauptreferent Professor Dr. Traugott Roser sowie Pater Thomas Väth und Dr. Margit Gratz, Referentin für Spiritual Care, Ethik und Hospitalität, sind sich einig: Als etwas Essenzielles nutzt Spiritual Care nicht nur den Patient:innen und Bewohner:innen, sondern auch allen, die im Gesundheits- und Sozialwesen tätig sind. Spiritual Care stärkt Selbstwirksamkeit und Care-Kompetenz. Zudem hilft sie Betroffenen dabei, Sinn als existenzielle Dimension wahrzunehmen.

Viele Menschen sind beruflich Leid und damit auch der Gefahr ausgesetzt, dass sich dieses auf sie überträgt. Leid aushalten zu können, erklärte Professor Dr. Traugott Roser, der an der Universität Münster den ersten Masterstudiengang Spiritual Care in Deutschland initiiert hat und zu den bekanntesten Wissenschaftlern auf diesem Gebiet zählt, sei auch eine Frage der Schulung. Mitaushalten, Beistand, Wissen, unterscheiden können und Supervision unterstütze beteiligte Berufsgruppen bei ihrem beruflichen Alltag. Dies sei für sie von existentieller Bedeutung, denn: „Wir haben keine Jobs, wir haben eine Berufung.“

Paradigmenwechsel im Gesundheitswesen

Dass im oft stressigen Alltag dabei Gedanken wie Wann soll ich das (auch) noch machen? oder Wie sage ich meinem Chef, dass es Spiritual Care braucht? aufkommen, wurde beim Fachtag im Regensburger marinaforum nicht ausgeklammert. Wichtig war allen Referent:innen, aufzuzeigen, dass Spiritualität im Beruf nichts Exotisches ist. Pater Thomas Väth verwies auf die plurale Gesellschaft und dass in der Pflege und Medizin nicht nur der Körper, sondern auch Seele und Geist bedient werden sollen. Seele und Heilung wiederum hätten viel mit Spiritualität zu tun. 

Ausgehend von der Hospizarbeit sei es laut Professor Roser zu einem Paradigmenwechsel im Gesundheitswesen, zu einer stärkeren Hinwendung zu Patient:innen und deren Angehörigen gekommen. Bedeutsamer Ansatz: Es gibt Leben und Lebensqualität auch dann, wenn die Dauer begrenzt, die Situation beeinträchtigt ist. Menschen werden durch Spiritual Care in ihren Bedürfnissen gesehen; Ressourcen werden gestärkt, Ängste reduziert und Trost vermittelt. [F1] Relativ wenig diskutiert ist bislang der Bedarf nach Dokumentation. Denn dadurch werden spirituelle Bedürfnisse auch sichtbar und die Spiritual Care-Arbeit transparenter.

Erfolge schnell sichtbar machen

Doch zurück zu den beiden Fragen. Professor Dr. Roser sieht in Spiritual Care keine zusätzliche Aufgabe, sondern eine gedankliche Umorientierung. Auch ohne zusätzlichen Zeitaufwand sei Spiritual Care möglich. Man denke nur an Kommunikation, denn: „Gute Kommunikation dauert auch nicht länger als schlechte.“ Das muss auch den Führungskräften vermittelt werden, für die es zuvorderst eine Frage der Organisation der gemeinsamen Sorge um kranke, alte und hilfsbedürftige Menschen darstellt.

Nicht wenige Führungskräfte waren unter den gut hundert vor Ort sowie weiteren zahlreichen digital Teilnehmenden. Ihnen vermittelte Peter Schmieder, Professor für Human Skills Management an der TH Deggendorf, wie wichtig es ist, im Wandel hin zu mehr Spiritual Care aus vom Prozess Betroffenen Beteiligte zu machen. Er forderte dazu auf, die Kultur vorzuleben, Koalitionen mit Veränderungswilligen zu bilden und Erfolge schnell sichtbar zu machen: „Reden Sie darüber, feiern Sie Ergebnisse, das wirkt auf andere ansteckend!“

Leid und die Warum-Frage

Für ein Schmunzeln sorgte Dr. Margit Gratz auf die Frage Wie sage ich es meinem Chef? „Wissen Sie, ich arbeite bei den Barmherzigen Brüdern. Da stellt sich diese Frage zum Glück nicht; ich weiß, das ist Luxus. Und werfen Sie ruhig ein Auge darauf, welche Persönlichkeit ein Unternehmen hat“, forderte sie das Plenum auf. Unternehmenskultur sei auch das, was Menschen spüren, wenn sie irgendwo zur Tür reingehen, und das wiederum werde nicht zuletzt durch den Führungsstil der Leitungspersonen geprägt. Bei den Barmherzigen Brüdern sei Spiritualität letztlich so ein zentraler Wert, dass er sogar in die Ordenswerte Eingang gefunden hat und somit nicht verhandelbar sei.

So war es für Moderatorin Birgit Fürst vom Bayerischen Rundfunk auch nicht verwunderlich, dass die Akademie der Barmherzigen Brüder zu diesem Fachtag Spiritual Care eingeladen hat, handelt es sich dabei doch um die einzige Akademie mit diesem Schwerpunkt in Bayern. Deren Einladung waren auch zahlreiche weitere hoch qualifizierte Referent:innen gefolgt, die Spiritual Care nicht nur in den Versorgungskontexten von Behindertenhilfe, Krankenhaus, Hospiz und Palliativstation sowie Altenhilfe und ambulanter Pflege einordneten. Es gab nicht zuletzt wertvolle Impulse zu Themen wie Sinn als existenzielle Dimension, Spirituelle Bedürfnisse und Ressourcen, Haltungen und Kompetenzen in Spiritual Care oder Leid und die Warum-Frage, die dabei helfen sollten, individuelle Antworten auf die zentrale Frage des Tages zu finden: Ist Spiritual Care etwas Exotisches oder Essenzielles?

 

Ein Ordensbruder, zwei Frauen und ein Mann stehen auf einer Bühne. Im Hintergrund zeigt eine Präsentation das Thema das Tages an: Spiritual Care - exotisch oder essenziell?

Pater Thomas Väth, Moderatorin Birgit Fürst, Referentin Dr. Margit Gratz und Hauptreferent Professor Dr. Traugott Roser (v. l.) zu Beginn des Fachtags

Eine Gruppe Menschen sitzt nebeneinander auf Stühlen. Immer zwei im Team besprechen eine Aufgabenstellung.

Kleinere Gruppen während des Fachtags ließen Workshop-Atmosphäre aufkommen

Ein Mann steht als Referent auf der Bühne. Im Vordergrund des Bildes sieht man die zahlreichen Hinterköpfe der Teilnehmenden.

Professor Peter Schmieder beleuchtete, wie Führungskräfte Spiritual Care den Weg in Unternehmen bereiten können.

Das sagen unsere Bewohner und Mitarbeiter

Das Fachwissen gepaart mit großer Empathie und konkreter Hilfestellung ist das, was uns von der Einrichtung Gremsdorf überzeugte.

Stefan Bauerfeind

Vorsitzender Autismus Mittelfranken e.V.

Der Zusammenhalt vom Personal und den Bewohnern ist gut und wir sind ein gutes Team. Es werden viele Unternehmungen ermöglicht, z.B. Tierpark-, Schwimmbadbesuch oder Urlaubsmaßnahmen in Kleingruppen gemeinsam mit Personal, was mir sehr gut gefällt.

Markus Grundel

Bewohner

Die Struktur tut mir gut. Ich kann selbstständiger und freier sein. Ich werde hier unterstützt flexibler zu werden und mit schwierigen Situationen besser zurecht zu kommen.

Yves Gorman

Bewohner

In Gremsdorf haben wir von Anfang an eine besondere Wertschätzung uns Eltern gegenüber und vor allem die unvoreingenommene Akzeptanz unserer autistischen Tochter erfahren.

Sabine Laskowski

Mutter und rechtliche Betreuerin

In jedem Menschen steckt ein kreativer Geist. Mut zu haben, seine Träume und Wünsche zu verwirklichen weckt in uns wunderbares. Es gibt uns Selbstvertrauen und stärkt unsere Persönlichkeit.

Simone Meister

Mitarbeiterin

Die Barmherzigen Brüder bieten in familiärer Atmosphäre hochprofessionelle Arbeit mit Herz, bei der personenzentriert gutes und gelingendes Leben ermöglicht wird.

Andreas Dirnberger

Fachdienstleiter

Mitten ins Leben – Mitten im Leben, hier können Menschen mit Behinderung ein buntes, stimmiges und erfülltes Leben führen.

Josefa Schalk

rechtliche Betreuerin, Mitglied im Beirat der Einrichtung und im CBP-Angehörigenbeirat

Ich finde es schön hier in Reichenbach. Ich habe Freunde und auch einen festen Partner gefunden. Bei der Erfüllung meiner Wünsche (z.B. Discofahrten, Kochen) unterstützt mich das Personal, das gefällt mir gut.

Melanie Graf

Bewohnerin

Ich wohne schon seit dem Jahr 2000 in Reichenbach und bin somit schon eins der Urgesteine hier. Der Zusammenhalt zwischen Personal und Bewohner ist super und meine Wünsche und Bedürfnisse werden beachtet (z.B. Urlaubsmaßnahme in einem Wellnesshotel in Bad Füssing mit einer Rückenmassage). Ich freue mich immer, wenn Personal und Freunde da sind, bis ich ins Bett gehe und auch schon wieder da sind, wenn ich aufstehe.

Hans-Jürgen Karl

Bewohner

Jeder Mensch hat seine eigenen ganz besonderen Talente und Fähigkeiten, die er in der Werkstatt so wie er es möchte mit einbringen kann. Die Beschäftigten in der Werkstatt sind Experten mit Leidenschaft. Familiär ist nicht nur ein Wort, sondern wir leben es täglich, gemeinsam mit den Beschäftigten.

Christian Keilmann

Werkstattleiter

Wichtig ist mir eine ehrliche Kommunikation, besonders bei Problemen zwischen den Betreuern der Wohngruppe, den Mitarbeitenden, der Werkstatt und den Eltern bzw. Betreuern/Bevollmächtigten, um das Beste für den Bewohner zu erreichen.

Heidi Blöcher

Mutter

Die schönsten Momente sind die, wenn die Bewohner Offenheit, Wertschätzung und Direktheit zeigen. Es kommt viel von ihnen zurück. Als Heilerziehungspflegerin weiß man am Ende des Tages, wieso man in der Arbeit war. Es ist mehr als nur Geld verdienen. Man hat Abwechslung, weil kein Tag wie der andere ist. Es kann sich jeder mit seinen Stärken, Hobbys und Interessen einbringen. Wir gestalten gemeinsam ein Zuhause.

Tatjana Karl

Mitarbeiterin

Ich wohne schon 28 Jahre in Reichenbach. Es gefällt mir gut, weil man selbständiger werden kann. Ich habe dabei noch ein bisschen Probleme, aber die Mitarbeitenden unterstützen mich hierbei gut. Ich verstehe mich auch mit allen Bewohnern gut und das Gemeinschaftsgefühl ist super!

Andreas Devenich

Bewohner

In der Einrichtung fühlen sich die Bewohner zu Hause. Mein Wunsch wäre, eine noch bessere und effektive Zusammenarbeit zwischen der Einrichtung, Bewohner*innen, Angehörigen bzw. Betreuern und Beschäftigten.

Hans-Georg Blöcher

Vater und stellv. Vorsitzender Beirat am gemeinschaftlichen Wohnen

In Reichenbach herrscht stets freundliche und entspannte Atmosphäre. Das Miteinander der Bewohner, Mitarbeiter und Besucher ist geprägt von Herzlichkeit und Umsicht. Man kommt gerne hierher und weiß seine Liebsten in guten Händen. Da fällt das Weggehen leichter. Wertschätzung und Respekt, Förderung und Schutz, Gemeinschaft und Herzlichkeit machen Reichenbach zu einer zweiten Familie für unsere Liebsten, dafür bin ich sehr dankbar.

Monika Rivière

Mutter und rechtliche Betreuerin

Man hat gemeinsam Spaß, führt viele Gespräche, hört einander immer zu und hilft sich gegenseitig. Mitarbeiter und Bewohner sind gemeinsam ein super Team.

Dominik Roth

Bewohner

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