Am 3. Dezember nimmt der Internationale Welttag der Menschen mit Behinderung jedes Jahr Bezug auf die Rechte, Bedürfnisse und Potenziale von mehr als 600 Millionen betroffene Kindern, Frauen und Männern. Seit seiner Einführung 1993 durch die Vereinten Nationen ist viel passiert, noch mehr seit 2008 die UN-Behindertenrechtskonventionen in Kraft getreten sind. Gleichberechtigte Teilhabe und Inklusion sind dort unter anderem als zentrale Ziele festgeschrieben. In diesem Zusammenhang taucht auch die Frage auf, wer die Betroffenen genau dabei fachgerecht begleiten kann?
„An unseren Fachschulen für Heilerziehungspflege dreht sich alles um Inklusion. Das bedeutet, dass wir Menschen mit Beeinträchtigungen dabei unterstützen, ein ganz normales Leben zu führen“, bringen es Markus Alt und Michael Veit auf den Punkt. Ersterer leitet die Fachschule in Reichenbach, sein Kollege die in Tegernheim. Individuelle Unterstützung und ganzheitliche Begleitung spielen in der Ausbildung eine maßgebliche Rolle. Beide sind sich einig: „Der Beruf ist nicht nur vielfältig und kreativ, sondern man kann gestalten und seine persönlichen Stärken einbringen.“
Genau das bestätigt die langjährige Praxisanleiterin Alexandra Höcherl, die 1990 die Fachschule für Heilerziehungspflege absolvierte, und seit dem in Reichenbach Menschen mit Behinderung begleitet: „Inklusion war mir schon immer wichtig. Ich sehe mich als Wegbegleiterin, um den Menschen die Teilhabe am sozialen Leben zu ermöglichen.“ Und das wird nach ihrer Ansicht beispielsweise genauso im Wohnangebot gelebt, wie etwa bei der Selbstversorgung: Das Essen wird nicht geliefert, sondern man kocht gemeinsam. Menschen mit Behinderung werden so in den Alltag mit all seinen Aufgaben integriert und können ihre Kompetenzen einbringen.
„Unsere Lernziele sind die Basis für eine optimale und individuelle Begleitung der Betroffenen“, bestätigen die beiden Schulleiter. Es geht unter anderem auch darum, das soziale Miteinander zu verstehen und Beziehungen zu fördern. Wichtig ist es dabei, Möglichkeiten zur Weiterentwicklung zu erkennen, anzubieten und umzusetzen. Damit das gelingen kann, braucht es viel Praxiserfahrung, die durch die Zweigleisigkeit der Ausbildung gesichert ist. Vom ersten Tag an sind die Schülerinnen und Schüler in verschiedenen pädagogischen Bereichen, z.B. einem Wohnangebot, im Einsatz und lernen so Alltagskompetenzen, Selbstbestimmung und Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft individuell zu fördern. Der Beruf der Heilerziehungspflegerin bzw. des Heilerziehungspflegers ist auch deswegen so abwechslungsreich, weil man die Menschen mit Behinderung in allen Bereichen des Lebens begleiten darf und dabei immer wieder neue Herausforderungen meistert.
Die Erfahrungen, die man dabei sammeln kann, sind nicht nur ausgesprochen facettenreich, sondern bringen immer wieder erlebnisreiche Momente mit sich. Alexandra Höcherl: „Ich erinnere mich an einen Urlaub in Bichl, wo wir bei 32 Grad mit der Bergbahn zur Zugspitze aufbrachen“, schmunzelt sie. Oben angekommen erwartete sie dann aber ein ganz anderes Wetter. „Ja, da schneit’s ja“, kommentierte das einer der Betreuten mehr als überrascht. Trotzdem haben sie sich dann die heißen Würstl und die Germknödel schmecken lassen. Für sie steht heute noch immer fest: „Tatsächlich würde ich es genauso wieder machen. Sonst wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.“
„In der Heilerziehungspflege arbeiten wir jeden Tag mit Menschen mit Beeinträchtigungen zusammen. Wir unterstützen sie dabei, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen“, verdeutlichen Alt und Veit. Nur so und über die Begleitung durch versierte Fachkräfte werden gleichberechtigte Teilhabe und Inklusion zur logischen Konsequenz.
Zum Bild: Alexandra und Sebastian mit den Jahreskerzen
