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„EUER AUFTRAG GEHT WEITER“ - DIE JUBILÄUMSFEIER IN NEUBURG

In Neuburg an der Donau, wo am Martinstag des Jahres 1622 alles begann, feierten 400 Jahre später, am 11. November, die Barmherzigen Brüder mit 200 geladenen Gästen das Jubiläum mit einem Festgottesdienst und einem Festakt.

Eine Schar von 18 Ministrantinnen und Ministranten zog mit neun Geistlichen in die prächtige Hofkirche in Neuburg an der Donau ein, unter ihnen Kardinal Reinhard Marx als Hauptzelebrant, der Augsburger Bischof Bertram Meier und der aus Rom angereiste Generalprior der Barmherzigen Brüder, Pater Jesús Etayo. Der Neuburger Kirchenchor sang und das Kirchenorchester St. Peter spielte die „Missa brevis Sancti Joannis de Deo“, die Kleine Orgelsolomesse von Joseph Haydn, die der Komponist zu Ehren des Ordensgründers der Barmherzigen Brüder komponiert hat. Es war ein würdiger, festlicher Gottesdienst, den die Barmherzigen Brüder am 11. November mit etwa 200 Gästen in Neuburg feierten. Auf den Tag genau 400 Jahre zuvor hatte Herzog Wolfgang Wilhelm die Gründungsurkunde des Hospitals und Klosters St. Wolfgang unterzeichnet, der ersten Niederlassung des Ordens in Bayern.

Kardinal Marx: Was es heißt, Christ zu sein

Zu Beginn des Gottesdienstes begrüßte Provinzial Frater Rudolf Knopp die Gäste und erinnerte daran, dass die Barmherzigen Brüder in Bayern in ihrer Geschichte viele Höhen und Tiefen erlebt hätten. Kardinal Marx betonte in seiner Predigt, es gehe hier nicht um die Zukunft der Kirche als Institution, sondern darum, „neuer und tiefer zu sehen, was es heißt ein Christ zu sein“ in einer Welt, in der „Nationalismus und Rassismus gerade fröhliche Urständ“ feierten. Christen glaubten an einen „Gott, den jeder Mensch in sich trägt, ob schwarz oder weiß, Mann oder Frau, getauft oder nicht … Ihr seid alle heilige Bilder Gottes.“ Jesus habe sich auf den „Dreck der Welt“ eingelassen, sei Mensch geworden und „insbesondere den Schwachen nah“. Angesichts von Krieg, Hass, Gewalt, Unterdrückung, Krankheit, Elend und Klimakatastrophe sollten wir uns an die „Glaubenswahrheit“ erinnern, dass „alle Menschen Brüder und Schwestern sind“. Das Evangelium vom Barmherzigen Samariter lehre, dass es darauf ankomme, nicht auf sich selbst zu schauen, sondern auf den anderen. Die Kirche müsse, mit Papst Franziskus gesprochen, an die Peripherie gehen. „Was zählt, ist die Liebe“, so der Münchner Erzbischof.

Der heilige Johannes von Gott und in seiner Nachfolge die Barmherzigen Brüder hätten dies verstanden. Eine Gesellschaft sei nur dann gut, wenn sie Kranke, Alte, Schwache und Leidende in die Mitte hole. Er selbst habe bei einem Besuch auf der Palliativstation der Barmherzigen Brüder in München erfahren dürfen, wie bereichernd etwa das Gespräch mit Schwerstkranken sei. Der Chefarzt habe nachher zu ihm gesagt: „Herr Kardinal, Sie sehen glücklich aus.“ Das habe ihn sehr bewegt. Marx dankte in seiner Predigt den Barmherzigen Brüdern und ihren Mitarbeitenden für ihren Einsatz und nahm sie gleichzeitig in die Pflicht: „Euer Auftrag geht weiter!“ Dieser sei „ein Zeichen der Ermutigung und der Hoffnung auch für kommende Generationen“.

Söder lobt Engagement für Hospizarbeit und Palliativmedizin

Der Festakt im Stadttheater Neuburg stand ganz im Zeichen des Jubiläumsmottos „HOSPITALITÄT SCHAFFT ZUKUNFT“. Nach dem Film von Max Kronawitter über die 400-jährige Ordensgeschichte gab es statt Grußworten mehrere lockere Gesprächsrunden, moderiert von der BR-Redakteurin Anouschka Horn.

Den Anfang machte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, der den Orden der Barmherzigen Brüder in Bayern als feste und verlässliche Größe in der bayerischen Gesundheitslandschaft und im Sozialwesen bezeichnete. Er dankte dem Orden für sein Bekenntnis zum christlichen Glauben und die tätige Umsetzung in Liebe zu den Menschen, jenseits von Schläuchen und modernster Technik. Zudem sprach sich Söder – ganz im Sinne der Ordenskultur - gegen den assistierten Suizid aus, den er als „Irrweg“ bezeichnete. Gerade die Palliativarbeit habe er selbst sehr zu schätzen gewusst, als sein Vater einst auf einer Bamberger Palliativstation lag und er sah, wie die Krankenschwester die Hand des im Koma liegenden Patienten streichelte und ihm so seine Würde bis zum Lebensende bewahrte. Er werde sich auch angesichts der Energiekrise und drohender Engpässe für die Krankenhausfinanzierung in Bayern und im Bund stark machen: „Ja, die Krankenhäuser der Barmherzigen sind supersystemrelevant!“

Bayerische Provinz als „Leader in Europa“

Gefragt ob die Bayerische Ordensprovinz einen bevorzugten Platz in seinem Herzen habe, zeigte sich Generalprior Pater Jesús Etayo anfangs diplomatisch und verwies darauf, dass es insgesamt 17 Provinzen des Brüderordens gebe. Naturgemäß gebe es im Orden starke Synergieeffekte und man arbeite die letzten Jahre auf regionaler Ebene zusammen. In diesem Sinne sei die Bayerische Provinz ein „Leader in Europa“, räumte der Generalprior ein. Als Fußballexperte wollte Pater Jesús nicht gelten, wünschte sich aber ein Champions League-Finale Real Madrid gegen FC Bayern München.

Dann gab es virtuelle Grußworte. Von der Leinwand grüßten der Augsburger Bischof Bertram Meier, der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek, Landes-Caritasdirektor Prälat Bernhard Piendl, der Präsident des Bayerischen Bezirketags Franz Löffler, der Neuburger Oberbürgermeister Dr. Bernhard Gmehling, der Landrat von Neuburg-Schrobenhausen Peter von der Grün und der stellvertretende Landesgeschäftsführer der Barmer-Krankenkasse Bayern, Alfred Kindshofer.

Expertinnenwissen aus der Behindertenhilfe

Auch Mitarbeitende aus den Einrichtungen kamen auf der Bühne zu Wort: Nicole Jurasch, die Vorsitzende des Werkstattrats in Gremsdorf, fühlt sich sehr wohl und genießt ihren eigenen privaten Wohnbereich und die Tätigkeit in der Werkstatt, wo sie viel mit Holz arbeitet, zum Beispiel beim Bau der Insektenhotels. Sie könne sich jedoch vorstellen, auch einmal völlig unabhängig von den Barmherzigen Brüdern zu leben. Jasmin Tobor, Heilerziehungspflegerin in Reichenbach, lobte den Beruf als vielseitig, verantwortungsvoll und sinnstiftend. Leider fehle noch immer eine breite wertschätzende Anerkennung in der Gesellschaft und es herrsche oft große Unkenntnis über das Aufgabenfeld der Heilerziehungspflege. Sie warb um mehr Personal, denn es mache einen großen Unterschied, wenn mehrere Kolleginnen und Kollegen sich die Arbeit aufteilen könnten. Dies komme letztendlich der Bewohnerschaft zu Gute.

Mehr Menschlichkeit im christlichen Krankenhaus

Für den Bereich der Krankenhäuser sprachen der Chefarzt des Notfallzentrums, Dr. Felix Rockmann, und Niklas Obermeier, Fachkrankenpfleger auf der konservativen Intensivstation, beide vom Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg, über Patientinnen und Patienten zwischen Notaufnahme, Schockraum und Intensivstation. Dr. Rockmann berichtete sehr persönlich von einem Tag, als ein kleines Mädchen trotz Aufwendung aller Kräfte und dem Einsatz und Fachwissen sämtlicher Beteiligten aus Pflege und Medizin letztendlich doch verstarb. Und doch ging er am Ende des Tages erfüllt nach Hause im Wissen, dass jeder alles gegeben habe. Er sei sehr froh, in einem christlich geprägten Krankenhaus zu arbeiten, sagte der Chefarzt. Auch auf der Intensivstation nehme man sich hier Zeit und es seien so Augenblicke der Menschlichkeit möglich, versicherte Fachkrankenpfleger Obermeier.

Auch in Zukunft: Nah am Menschen

Provinzial Frater Rudolf Knopp tat am Ende seine persönliche Botschaft für die Zukunft der Bayerischen Ordensprovinz den Festgästen kund. Die vergangenen 400 Jahre hätten Höhen und Tiefen gebracht, doch durch den Glauben sei man stets gestärkt worden: „Wir sind bestrebt, immer vorwärts zu denken und wie man den Menschen ein Stück näher sein kann“, versprach der Provinzial und wünschte sich und seinen Mitbrüdern in allen Ordensprovinzen die Kraft, die Arbeit des Ordens auch künftig weiterzuführen.

Das Bläserquartett der Stadtkapelle Neuburg unter der Leitung von Alexander Haninger gestaltete den Festakt mit beschwingten Klängen. Ein Festessen im Marstall rundete den Jubiläumstag ab.

 

Fotos: (c) Barmherzige Brüder Bayern/ Robert Kiderle

Gruppenbild vor dem Festakt mit (von links) Generalprior Pater Jesús Etayo, Kardinal Reinhard Marx, Ministerpräsident Markus Söder, BR-Redakteurin Anouschka Horn und Provinzial Frater Rudolf Knopp

Provinzial Frater Rudolf Knopp begrüßt Kardinal Reinhard Marx

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